13.10.2020 - 12:18

Gartenhaarmücke - Nützling oder Schädling

In einigen landwirtschaftlichen Kulturen konnten dieses Frühjahr, insbesondere Ende April, große Schwärme schwarzer „Fliegen“ beobachtet werden. Es handelte sich hierbei um die Gartenhaarmücke, deren Larven wichtige Humusbildner sind, da sie sich von abgestorbenem organischem Material ernähren. Gelegentlich können sie unterirdische Pflanzenteile befallen, nennenswerte Schäden sind aber selten zu verzeichnen.

Die Gartenhaarmücke (Bibio hortulanus), welche aufgrund ihres fliegenähnlichen Aussehens auch als Märzfliege bezeichnet wird, ist eine Mücke aus der Familie der Haarmücken (Bibionidae). Sie ist etwa 5-10 mm groß und stark behaart. Während das Männchen komplett schwarz gefärbt ist und große, behaarte Komplexaugen aufweist, welche an der Kopfoberseite zusammenstoßen, hat das Weibchen einen orange-roten Körper und wesentlich kleinere, unbehaarte Augen (Abb.1 und Abb. 2). Sie fliegen im Frühjahr von März bis Mai bisweilen in großen Schwärmen und ernähren sich von Nektar, Pollen und Honigtau, was sie zu wichtigen Blütenbestäubern macht. Charakteristischerweise lassen die Männchen im Flug ihre Hinterbeine nach unten hängen, wodurch sie plump und schwerfällig erscheinen. Pro Weibchen werden etwa 100 bis 150 Eier bevorzugt in humusreiche, feuchte Böden abgelegt. Die sich daraus entwickelnden Larven sind beinlos, stark behaart und braun gefärbt. Sie weisen eine dunkle Kopfkapsel auf und werden bis zu 20 mm lang. Sie ernähren sich von pflanzlichen Abfällen und tragen somit zur Humusbildung bei. Bei Massenauftreten und Trockenheit können sie jedoch auch schädlich in Erscheinung treten, indem sie das Saatgut, die Wurzeln, die Keimlinge oder unterirdische Ernteorgane von Kulturen, wie Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben, Karotten, Zwiebeln, u.v.a.m. fressen. Als Folgesymptome laufen Saaten nicht auf und es treten Vergilbungs-, Welke- und Absterbeerscheinungen an jungen Trieben bzw. an oberirdischen Pflanzenteilen auf. Typischerweise findet man in betroffenen Feldern kleine Erdhäufchen sowie zahlreiche Löcher im Boden (Abb. 2). Die Larven leben gesellig und verursachen die Fraßschäden vor allem im Herbst und Frühjahr. Die Gartenhaarmücke überwintert als Larve in 5 bis 10 cm Bodentiefe, verpuppt sich im Frühjahr und bildet nur eine Generation im Jahr aus. An Gemüsekulturen können neben der Gartenhaarmücke auch andere Haarmücken, wie die Markusfliege (Bibio marci) und die Strahlenmücke (Dilophus febrilis), auftreten. Um einen Befall durch Haarmücken vorzubeugen, ist es empfehlenswert am Feld ausgebrachte organische Materialien, wie beispielsweise Stalldung, gut in den Boden einzuarbeiten, da die Mücken davon angelockt werden. Eine direkte Bekämpfung ist meist nicht notwendig und auch sehr schwierig, da die Larven im Boden leben und daher schwer abzutöten sind.

DI Anna Moyses, AGES